Es war einmal ein schwebendes Hochbett…

Alex ist stolz auf sein Hochbett. An dem Deckenbalken befestigt, schmiegt es sich in die obere Ecke von Alex‘ sehr hellem und großem Altbauzimmer. Ganz ohne Bauanleitung hat Alex sich sein Wunschbett gezimmert und wird dafür bis heute mit bewundernden Kommentaren seiner Gäste belohnt. So ist das Hochbett zum Herzstück seines Zimmers geworden – paradoxerweise, weil es kaum auffällt.

Wie Alex seine Möbel nach seinen Bedürfnissen baut

Wenn Besucher*innen Alex‘ Zimmer betreten, dann fällt ihnen als erstes auf, dass sein Bett nicht auffällt. Das Hochbett schmiegt sich in die linke obere Ecke von Alex‘ sehr hellem und großem Altbauzimmer. Alle Möbel sind von ihm selbstgebaut, passen zentimetergenau, sind hell und unauffällig. Alex ist Fotograf und Filmproduzent, sein Zimmer ist Wohn- und Arbeitsort zugleich.

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Als Alex vor sechs Jahren von einer kleinen beengten WG in die neue Wohnung im Wedding gezogen ist, wollte er in seinem Zimmer vor allem eines: viel Platz. Da lag die Idee eines Hochbettes nicht weit. Möbel selber bauen macht ihm Spaß; er mag die Herausforderung, dass am Ende alles so passt, wie er sich es am Anfang vorgestellt hat. Alex’ selbstgebaute Version des Hochbettes ist elegant und stabil zugleich. Keine wuchtigen Holzbalken, die den Raum zerstückeln, wie man sie so oft aus Studenten-WGs kennt.

Multiplex-Holz ist Trumpf

Das Bett hängt von der Decke. Auf der einen Seite verbinden neun Drahtseile den Deckenbalken mit einem langen besonders starken Stück Multiplex-Holz. Multiplex besteht aus zwölf Schichten dünnem Furnier in gegenseitiger Laufrichtung des Holzes verleimt, was das Holz sehr stabil macht. Multiplex wird zum Beispiel beim Bau von Theaterbühnen eingesetzt. Auf der anderen Seite liegen die dünnen Fichtenholzbretter auf einem sieben Zentimeter breiten Kantenholz, das an die Wand geschraubt ist.

Auf die Idee, das Bett so zu bauen, ist Alex selbst gekommen. Er wollte nicht einfach eine Bauanleitung kopieren, sondern sich etwas Eigenes einfallen lassen und selber etwas ausprobieren. „Ich dachte mir, in jeder Altbaudecke gibt es tragende Balken. Wieso können sie nicht auch mein Bett tragen?“, sagt Alex schmunzelnd. Die Suche nach dem Deckenbalken gestaltete sich nicht ganz einfach. Anstatt von längs verlaufenden Balken auszugehen, haben Alex und sein Mitbewohner Dominik es zuerst quer versucht und vergeblich etliche Löcher in die Wand gebohrt. Zum Glück ging am Ende alles gut.

_ALX3398 - kleinerDie Maße des Hochbettes betragen 1,80 x 3,50 Meter. Etwas ungewöhnlich, was daran liegt, dass vor der Matratze eine Art Plattform die Fläche vergrößert. Obwohl er die Plattform eher zum Sachen ablegen als zum Sitzen nutzt, verleiht sie seinem Zimmer eine zweite Ebene. Auf Parties haben auf dem Bett schon über zwölf Leute Platz gefunden und das bunte Treiben unten auf der Tanzfläche beobachtet.

Materialkosten von 150 Euro

In seiner vorherigen WG und beim Jobben beim Malermeister hatte Alex bereits einige Erfahrungen im Möbelbauen gesammelt. „Erst durch eine Oberflächenbehandlung wird pures Holz zu einem Möbel, sonst verfärbt es sich zu schnell. Ich habe die Fichte grundiert, abgeschliffen und dann lasiert. Auf der Unterseite mit einer weißen Lasierung, um sich dem Raum anzupassen, auf der Oberseite dunkelbraun, um mehr Raum zu schaffen.”

Alex ist stolz auf das Hochbett. So wie bei allen seinen selbstgebauten Möbeln sieht man ihnen die Liebe und die Zeit, die er in den Aufbau gesteckt hat, auch an. Das Bett ist nicht nur ein Unikat, sondern steht auch für Alex’ Kreativität. Für ihn sind Möbel kein Fertigprodukt, für die man in einen Laden gehen muss. Wo auch oft das Geld mitentscheidet, wie speziell das Möbelstück sein kann. „Auf selbstgebaute Möbel trifft das nicht zu“, so Alex. Die Materialkosten für sein Bett waren nicht höher als für ein Ikea-Bett, insgesamt 150 Euro.

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Im Gegenzug braucht man Zeit oder muss sie sich nehmen, je nachdem, wie man es betrachtet. „Hier war schon ein paar Tage Baustelle, aber verschiedene Freunde kamen vorbei, um mitzubauen.“ Für Alex hat sich der Zeitaufwand gelohnt. Falls er jemals aus der WG ausziehen wird, will er das Bett auf jeden Fall mitnehmen.

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