Warum nicht IKEA?

Wusstest du, dass unser Möbelkonsum alle zehn Jahre um 150 Prozent steigt? Kaum zu glauben, finden wir auch. Das liegt am Trend zu Einwegmöbeln.

Mit Ikea sind Möbel zur Massenware geworden, die überall in gleichem Design und zu niedrigen Preisen erhältlich sind. Viele Möbel-Discounter haben es Ikea inzwischen gleichgetan. Nichts ist so leicht zu ersetzen wie ein Billy-Regal nach einem Umzug in eine andere Stadt. Der günstige Preis und die mangelnde Qualität lohnen den Transport in die neue Wohnung nicht. Das alte Regal landet auf dem Müll.

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Das Problem: Die Wegwerfmöbel haben eine viel kürzere Lebensdauer als über Generationen weitergegebene Massivholzmöbel. Da die Möbel in großer Masse produziert und in unserer globalisierten Welt über weite Strecken transportiert werden, haben sie eine schlechtere Ökobilanz als wiederverwendete oder regional und nachhaltig hergestellte Möbel.

Der Earth Overshoot Day (Weltüberlastungstag) gibt an, ab welchem Zeitpunkt wir unsere natürlichen Ressourcen auf das Jahr gesehen übernutzen, wir also mehr verbrauchen, als die Erde in einem Jahr regenerieren kann. 2017 fiel dieser Tag auf den 2. August, sechs Tage früher als im Jahr zuvor. Zur Zeit sind global gesehen 1,7 Erd-Planeten nötig, um unseren Ressourcenverbrauch dauerhaft zu decken. Legt man den Verbrauch in Deutschland zugrunde, liegt dieser Wert sogar bei 3,2 Erden.

Diese Rechnung zeigt: Wir müssen unseren Ressourcenverbrauch eindämmen und einen Weg zu langlebigen Produkten guter Qualität einschlagen. Möbel, die bis vor einem halben Jahrhundert noch maßgetischlert und über Generationen vererbt wurden, sind dafür ein guter Anfang. Lass uns Möbel wieder wertschätzen und zu einem langlebigen Konsumgut machen.

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Foto: Pixabay

Was hat Ikea damit zu tun?

Ikea hat sich für ein multinationales Unternehmen durchaus bemerkenswerte Nachhaltigkeitsziele gesetzt und wird von vielen Menschen als nachhaltiges Unternehmen wahrgenommen. Was dabei jedoch außer Acht gelassen wird: Ikea steigert seinen Umsatz und den Absatz von Produkten Jahr für Jahr. Im Geschäftsjahr 2016 konnte der Umsatz um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht werden. Und Ikea will weiter expandieren. Neue Märkte sollen in Indien und Slowenien erschlossen werden, der Onlinehandel in vielen Ländern stark ausgebaut werden. In Deutschland sollen rund 20 weitere Möbelhäuser errichtet werden.

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Das ganze Unternehmenskonzept von Ikea ist auf rasant steigenden Möbelumsatz ausgerichtet. Ikea setzt gezielt Anreize, sich im Bereich Wohnen und Einrichten ständig neu zu erfinden und alle paar Jahre einen “Tapetenwechsel” vorzunehmen. Das wird z.B. in diesem Werbevideo deutlich. Dank der günstigen Preise, welche die Möbel für jede*n erschwinglich machen, findet dies auch viele Nachahmer*innen. Ikea kann in dieser Hinsicht als Trendsetter psychologischer Obsoleszenz betrachtet werden: Den Konsument*innen wird das Gefühl vermittelt, sich ständig neuen Trends anpassen zu müssen und sie sortieren deshalb eigentlich noch intakte Möbelstücke aus.

Die Anstrengungen Ikeas, die Produktion sowie den Transport und Verkauf ihrer Möbel so energieeffizient wie möglich zu gestalten, stehen in keinem Verhältnis zum absoluten Ressourcen- und Energieverbrauch für Möbelstücke, die schon nach kurzer Zeit zu großen Teilen auf dem Müll landen. Suffizienz, ein wesentlicher Kerngedanke konsequent gedachter Nachhaltigkeit, kommt in Ikeas Nachhaltigkeitsverständnis nicht vor.  

Weitere Kritik an Ikea

Ikea war in der Vergangenheit schon des öfteren mit Vorwürfen konfrontiert, die die Nachhaltigkeit des Unternehmens in Frage stellen.

Das ARD-Magazin Plus-Minus berichtete 2011, dass Ikea mit seiner FSC-zertifizierten Tochterfirma Sweedwood die letzten borealen Urwälder im russischen Karelien abholzt. Rettet den Regenwald e.V. teilte 2014 mit, dass Ikea die Abholzung eingestellt hat. Nicht eingestellt hingegen hat der Möbelkonzern die Rodung indonesischer Urwälder für die Produktion von Palmöl, das für Kerzen gebraucht wird.

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Foto: Pixabay

Auch die soziale Nachhaltigkeit des Unternehmens lässt zu wünschen übrig, wie 2014 in der Fernsehreihe “Markencheck” zu sehen war. Reporter*innen der ARD konnten nachweisen, dass Ikea unter Billiglohnbedingungen in Weißrussland produzieren lässt. Hier wird klar, auf wessen Kosten Ikea-Möbel so günstig angeboten werden können.

Einsparungen erreicht Ikea auch durch massive Steuervermeidung, d.h. auf Kosten der Allgemeinheit. Attac bezeichnete Ikea in einem Bericht 2013 als “Lehrbeispiel dafür, wie mit allen erdenkbaren Tricks Steuern gespart werden können.” Dies wird von einer Studie der Europäischen Grünen/Europäische Freie Allianz bestätigt.

Auffällig ist, dass Ikea bisher nur selten für seinen absoluten Ressourcenverbrauch und den verschwenderischen Lebensstil, den es predigt, kritisiert wurde. Wir machen da nicht mit und zeigen, wie es besser geht. >>Lies unsere Möbelgeschichten oder >>informiere dich über Alternativen.

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